v. l.: Florian Schröder (Kabarettist), Peter Scholten (Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Rhein-Nahe), Moderatorin Gundula Gause (ZDF), Prof. Dr. Achim Truger (Wirtschaftsweiser), Andreas Peters (stv. Vorstandsvorsitzender der Sparkasse) und Peer Steinbrück (Ex-Finanzminister und Kabarettist)
Prof. Dr. Achim Truger
Peer Steinbrück und Florian Schröder
Ingelheim

Kein Anlass für Panik

Steinbrück, Schröder und das Ende der Schwarzen Null – der Wirtschaftspolitische Vortrag der Sparkasse Rhein-Nahe bot wieder jede Menge Erkenntnisse zur aktuellen konjunkturellen Lage – und über das Seelenleben eines Politikers im Unruhestand.

Besonders pikant dieses Jahr: Peer Steinbrück (SPD), von 2005 bis 2009 Bundesfinanzminister gilt als der Vater der „Schwarzen Null“, also eines Bundeshaushalts ohne Neuverschuldung. Er war Gast der Sparkasse in der Ingelheimer KIng, doch dieses Mal nicht als Politiker, sondern als Teil des Unterhaltungsprogramms. Während viele Politiker noch an der Schwarzen Null festhalten, sprechen sich mittlerweile viele Wirtschaftswissenschaftler für eine gezielte Neuverschuldung aus. So auch der diesjährige Hauptredner des Abends, Prof. Dr. Achim Truger, Mitglied im Rat der „Wirtschaftsweisen“ der Bundesregierung.
Aber von Anfang an: Traditionell lädt die Sparkasse Rhein-Nahe jedes Jahr im Herbst ein Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Wirtschaftliche Lage („die sieben Wirtschaftsweisen“) ein, um das aktuelle Jahresgutachten der Wissenschaftler vorzustellen. Zur Auflockerung hatten die Veranstalter nicht nur zu einem trockenen Vortrag geladen, sondern auch für humoristischen Mehrwert gesorgt – und zwar in Gestalt von Peer Steinbrück und seinem kabarettistischen Duell-Partner Florian Schröder. Die beiden treten immer mal wieder als humoristisches Duo auf, bei dem Steinbrück, interviewt von Schröder, pointiert die aktuelle politische Situation sowie seinen eigenen politischen Werdegang kommentiert. Dabei punktete Steinbrück immer wieder mit nordisch-trockenem Humor und spitzen Pointen.
Doch zum ernsten Teil: Die gesamtwirtschaftliche Situation stellt sich derzeit uneinheitlich dar: Die Exporte zogen in der zweiten Jahreshälfte zwar wieder etwas an, allerdings habe de Industrieproduktion einen ziemlichen Absturz hingelegt. Stabilisator waren der private Konsum und das Baugewerbe.
Im Einklang mit seinen Gutachterkollegen zeigte sich Truger sicher: Nächstes Jahr geht’s wieder bergauf – zumindest ein Bisschen. Für Panik geben die aktuellen Daten jedenfalls keinen Anlass. Der Arbeitsmarkt bleibe wohl stabil.
Allerdings bleiben die Risiken und Unsicherheiten angesichts der weltpolitischen Lage groß.
Dennoch sehen die Gutachter keinen konjunkturpolitischen Handlungsbedarf. Gleichwohl betonte Truger, dass eine Neuverschuldung, also der Abschied von der derzeit als oberster politischen Grundsatz betrachtete Schwarze Null durchaus sinnvoll sei. Damit liegt er zwar nicht auf der Linie all seiner Kollegen, wohl aber mit seiner Kollegin, Professorin Isabell Schnabel, die demnächst in Direktorium der EZB wechselt. Angesichts der niedrigen Zinsen könne die Chance genutzt werden, in die Instandhaltung der öffentlichen Infrastruktur zu investieren.
Die Forderung unterstützte auch Peer Steinbrück. „Damals war der Verzicht auf Neuverschuldung auf jeden Fall richtig“, betonte er. „Doch angesichts der niedrigen Zinsen und der konjunkturellen Lage sei nun ein Umdenken erforderlich.

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