Hargesheim

Kochen gegen das Vergessen

Leckere Düfte, sie wecken Gefühle und Erinnerungen. Außerdem halten Essen und Trinken Leib und Seele zusammen, wie ein altes Sprichwort sagt.

Deshalb haben sich Schülerinnen und Schüler der Alfred- Delp-Schule (ADS) Hargesheim aufgemacht, um mit Bewohnern zweier Einrichtungen der Altenhilfe in Bad Kreuznach zu kochen. Daraus entstanden ist ein außergewöhnliches Kochbuch, dessen Rezepte leicht nachzukochen sind und Erinnerungen wecken. An Omas Küche oder die eigenen Kindheitstage, je nach Alter des Betrachters.

Am Anfang stand eine Idee von Claudia Römer, Lehrerin an der Alfred-Delp-Schule. Im Rahmen der diesjährigen Projekttage im September bot sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Jana Strickrod ein Projekt an, das Jung und Alt zusammenführen und die Sozialkompetenz der Schüler steigern sollte. In den Bad Kreuznacher Senioren-Einrichtungen Haus St. Josef der Franziskanerbrüder vom Heiligen Kreuz und dem Elisabeth Jaeger Haus der kreuznacher diakonie fand sie Partner, die diesen Versuch gemeinsam mit der Kooperativen Gesamtschule in Trägerschaft des Bistums Trier wagen wollten. Am Ende standen zahl- reiche bewegende Begegnungen – und ein Kochbuch: „Appetitliche Häppchen für den vergessenen Hunger“ heißt es.
Die 30 Schülerinnen und Schüler haben darin die Rezepte zusammengestellt, die sie gemeinsam mit den Bewohnern der Seniorenhilfeeinrichtungen zubereitet haben: von Herzhaftem wie „Bayernburger“, deftigen Muffins und Spinat-Feta-Ecken, über Traditionelles wie Dibbekuche, Himmel und Erd’ oder Rilles Ralles bis hin zu Süßspeisen wie Apfel-Zimt- Cockies, Schoko-Grissini Stangen und portugiesischen Farturas. Die Auswahl der Speisen geschah zusammen mit Fachleuten der Seniorenhilfe. Die besondere Herausforderung: Viele der Senioren leiden an demenziellen Erkrankungen, das heißt, ihre geistigen Fähigkeiten und viele Erinnerungen schwinden – und damit unter an- derem auch die Lust am Essen. Die beteiligten Schüler stammen aus den Klassenstufen zehn bis 13 – und waren mit Begeisterung bei der Sache. „Der Kontakt zu den älteren Menschen war sehr berührend“, erzählen sie.
„Ich kann die Schüler nur loben,
die sich bereit erklärt haben, ein solches Projekt umzusetzen“, sagt ADS-Gesamtschulleiter Günter Graus. „Das sich Einlassen auf eine solche Beziehung ist bereichernd für alle Betroffenen und stärkt das Gefühl, dass Gemeinschaft ein erstrebenswertes Ziel ist.“
Wie wichtig gerade das sinnliche Erlebnis „Essen“ für das Wohl- befinden ist, zeige dieses Projekt ganz deutlich. „Für Menschen mit einer demenziellen Erkrankung ist es wichtig, die Mahlzeiten mit allen fünf Sinnen zu erfahren“, erklärt Christine Wegener, die Pflegedienstleiterin am Haus St. Josef in Bad Kreuznach.
„Die Gespräche zwischen Jung und Alt brachten einen regen Aus- tausch – nicht nur über die gesammelten Rezepte. Ein Projekt für ‚Leib und Seele‘“, freut sich Diakon Michael Stahl , der Leiter des Elisabeth Jaeger Hauses.
Gemeinsam mit den Bewohnern scherzte man, erzählte von früher und heute, schnippelte, knetete und probierte die Zutaten.
Auch an der Herstellung des Buches waren die Schüler aktiv beteiligt, sie erstellten die Fotos und führten Interviews mit ihren Kochpartnern. So entstand ein Werk, das inspiriert und Lust auf’s Kochen macht – und natürlich auf’s Essen ...

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