v. l.: Landrätin Bettina Dickes, Rolf Schaller und Sandra Ess (Verlag Matthias Ess)

Bad Kreuznach

Von Brückenbauern und -zerstörern

Wussten Sie, dass es in Bad Kreuznach einst über 90 Brücken gab? Und dass sich hinter ihnen ganz viele Geschichten verbergen, die tief in die Geschichte der Stadt blicken lassen?

Rolf Schaller beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit den Bauwerken, die manchmal Wahrzeichen sind, oft auch Probleme bereiten, immer aber verbinden. 

Auf rund 450 Seiten nimmt Rolf Schaller in dem Buch „Brücken & Briggelcher“ – Kreuznacher Brückengeschichte(n)“ die Bauwerke in Bad Kreuznach detailliert unter die Lupe. Bekannte und unbekanntere, moderne und solche, die längst nicht mehr stehen. 

Eines seiner Resümees: Auf die Fachabteilung Tiefbau der Stadt Bad Kreuzach, den Landesbetrieb Mobilität und die Deutsche Bahn AG kommen in den nächsten Jahren gewaltige Aufgaben und Ausgaben zu. Bei einigen Brückenbauwerken im jeweiligen Zuständigkeitsbereich stehen umfangreiche Sanierungsmaßnahmen und sogar Neubauten an. „Oft ist eine gewisse Sorg- und Lieblosigkeit dabei zu beobachten, wie man mit den Brücken umgeht“, so Rolf Schaller. Besonders gefährdet ist beispielsweise die Hängebrücke am Quellenhof, deren Aufgänge schon mit Holzbalken abgestützt werden müssen. Aber auch die Eisenbahnbrücke in Bad Münster wird demnächst wohl für mehrere Millionen erneuert werden müssen. „Auch der Löwensteg wurde über viele Jahre hin vernachlässigt. Hätte man ihn alle paar Jahre entrostet und neu gestrichen, könnte er noch viele Jahre stehen.“

Jahrelang recherchierte Schaller im Stadtarchiv, aber auch in Archiven von Baufirmen, bei der Deutschen Bahn sowie in Frankreich, England und den USA, um an Bildmaterial zu gelangen.

Dabei ist er auch auf viele bisher unbekannte Aufnahmen gestoßen, zum Beispiel auf das von der Alten Nahebrücke von dem Stereo-Fotografen Carl Heinrich Jakobi aus dem Jahr 1864, auf dem das erste Brückenhaus aus der Neustadt kommend noch ohne den Anbau zu sehen ist. 

Oder jenes vom Bau der Ochsenbrücke, vor der sich 1904 die Arbeiter zum Erinnerungsfoto positionierten. Quasi ein Bild für die Ewigkeit. 

„Interessant sind auch die Geschichten, die ich gefunden habe, denn das Buch enthält viele Anekdoten. Über Planungen, Gespräche, Unfälle und Irrtümer. Das war hoch interessant.“

Insbesondere die Alte Nahebrücke hat es Rolf Schaller angetan – und sie birgt auch Stoff für den ein oder anderen Aufreger. 

Die alte Nahebrücke ist eine der ältesten Brücken in Rheinland-Pfalz – und einmaliges Bauwerk in dieser Form. Zwar gibt es auf der Welt viele Brückenhäuser, durchaus auch imposantere, ältere, auch schönere. „Aber mit den freistehenden Brückenhäusern ist es eine einmalige Brücke - gewesen …“ Kurz vor Ende des Krieges wurde der Brückenteil über dem Hauptarm der Nahe gesprengt, „überlebte“ allerdings „schwerverletzt“. Den Rest gaben ihm die Stadtplaner. „Zweimal hatte der Stadtrat damals vor, die Brücke in altem Zustand wieder aufzubauen, 1948 und 1952. Aber dann mussten sie die beschädigte Brücke unbedingt kaputt machen und eine ‚moderne‘ Spannbetonbrücke bauen.“ Schaller wälzte alte Stadtratsprotokolle, in denen die Diskussionen und Motive konserviert worden sind. „Mit der Sanierung hat man jetzt noch eins draufgesetzt, die modernen Geländer die Peitschenleuchten und die Beton-Sitzbänke, das ist einfach nur furchtbar in meinen Augen.“

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