Vor über 200 Gästen aus Politik, Wirtschaft, Behörden, Verein, Schulen, Kirchen und weiteren gesellschaftlichen Gruppen und Institutionen verwies Letz auf die finanzielle Lage der Städte, Gemeinden und Landkreise, die sich „dramatisch zuspitzt“. Dazu sandte er eine klare Botschaft nach Berlin „Wer bestellt bezahlt“. Er meine damit die immer mehr zunehmenden Pflichtaufgaben vom Bund, ohne dafür die nötige Finanzierung in den Kommunen sicherzustellen.
Es fehle an Geld, um dringend notwendige Investition in die Infrastruktur vorzunehmen. Als Beispiele führte Letz den maroden Löwensteg und die marode Ochsenbrücke auf, sowie eine neue Grundschule, die seit Jahren überfällig ist, und mindestens eine zusätzliche Kita. Der OB verteidigte die Sparbeschlüsse des Stadtrates, zu denen man gezwungen war, um „unseren Haushalt von der Kommunalaufsicht genehmigt zu bekommen.“ Zugesagte Fördergelder sind noch nicht geflossen, was eine Haushaltssperre nach sich zog. Dennoch habe man trotz der engen finanziellen Spielräume in den vergangenen Monaten viel bewegt. Als Beispiele nannte Letz die Übernahme von 25 neue Erzieherinnen und Erziehern. „Unsere städtische Kita-Sozialarbeit steht beim Deutschen Kita-Preis 2025 unter den Top 8.“ Wohnsitzanmeldung und Personalausweisänderung sind bei der Stadtverwaltung online möglich, ein kommunales Förderprogramm für Balkonkraftwerke aufgelegt, 46 neue Bäume innerhalb eines Jahres neu gesetzt.
Dank sagte er auch den Privaten, die mit ihren Investitionen in Gebäudesanierung die Stadt aufwerten. Stellvertretend nannte er dafür das Brückenhaus, das Bad Kreuznacher Wahrzeichen, „Sie alle - jede und jeder Einzelne, tragen dazu bei, dass Bad Kreuznacher eine lebendige, solidarische und lebenswerte Stadt bleibt“.
Gemeinsam mit Jahrmarktsbürgermeister Markus Schlosser bedankte sich der OB bei allen Machern, Aktiven und Unterstützern des großen Volksfestes. Markus Schlosser zog denn auch eine positive Zwischenbilanz des 195. Bad Kreuznacher Jahrmarkts. Gute Besucherzahlen stehen für die ersten drei Festtage. Auch habe sich die neue Zufahrtssperre – weil leicht handelbar - bestens bewährt. Sie war von der Stadt Kaiserslautern gemietet worden. „Wir werden sicherlich eine eigene anschaffen“, so Schlosser.
Mit einer Flasche Nahewasser, morgens vom ehemaligen Hauptamtsleiter Manfred Schäfer frisch gefüllt, wurde Michael Vesper bei der „Entwanzung“ zum Kreuznacher getauft. Diese nasse Ehre wird jenen Menschen zuteil, die nicht in Bad Kreuznach geboren wurden, sich aber mindestens 20 Jahre lang für die Stadt verdient gemacht haben. Vesper, Geschäftsführer der städtischen Gesellschaft GuT, ist in Bad Kreuznach vielfach ehrenamtlich engagiert, u.a. als Vorsitzende des Vereins für Heimatkunde in Stadt und Kreis und als Presbyter bei der Evangelischen Gemeinde. Sein Taufpate war der Kreuznacher Künstler Gernot Meyer-Grönhof. Als Tauf-Lied hatte sich Vesper, der seit 1996 in Bad Kreuznach lebt, „Die Gedanken sind frei“ von Hoffmann von Fallersleben gewünscht. In Vertretung des Vorsitzenden der Freunde des „Kreiznacher Jahrmarktes“, Dieter Gronbach, überreichte Vorstandsmitglied Mirko Helmut Kohl Nadel und Urkunde, die Vesper nun als echten Kreuznacher ausweisen.
Weinbaupräsident Rainer Klöckner würdigte in seinem Grußwort den Jahrmarkt mit dem Naheweinzelt einen wichtigen Imageträger für den Nahewein.
Einen Herzenswunsch sprach der 104 Jahre alte Ehrenmedaillenträger der Stadt, Nicolaus Blättermann, aus: die jüdische Gemeinde bei der notwendigen Sanierung der Synagoge zu unterstützen.

