Mit einem eindringliche Appell wendet sich Dr. Torsten Derr, der Vorstandsvorsitzende des Mainzer Schott-Konzerns, deshalb an die Politik in Land und Bund: „Ich erwarte wenigstens, dass Sie verstehen, wie wir denken.“ In Indien, China, auch in den USA kostet Energie nur einen Bruchteil dessen, was in Deutschland bezahlt werden muss. „Der beschlossene Industriestrompreis ist da nur ein Tropen auf den heißen Stein.“ Derr forderte sogar eine Abkehr vom CO2-Zertifikatehandel, der Energie künstlich verteuert.
Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat der Glas-Spezialist erheblich an Profitabilität verloren, der Jahresüberschuss sank von 308 Millionen Euro auf 165 Millionen Euro. Insgesamt steht das Unternehmen zwar kerngesund dar, dies aber vor allem wegen seiner Innovationskraft. High-Tech-Glas für Augmented-Reality-Brillen, Dünnglas für die Raumfahrt, Glasfasern für die Medizin – hier sieht Derr Potenzial für die Zukunft. Doch klassische Geschäftsfelder wie Kochfelder und Rohrglas für die Pharmaindustrie haben erheblich eingebüßt. Rund 100 Millionen Euro am Wertberichtigungen musste die Finanzabteilung vornehmen, um die Bilanz des Konzerns zu bereinigen.
Der Umsatz blieb mit 2,83 Milliarden Euro weitgehend stabil. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) sank jedoch von 400 auf 230 Millionen Euro.
Wellenleitertechnologien aus Glas bilden das Rückgrat von Datenbrillen. In den Innovativen Produkten sieht Schott einen erfolgversprechenden Markt der Zukunft.

