Zwei tiefe Einschnitte trennen Daxweiler von Rheinböllen: das Tiefenbachtal und der Pfädchengraben. Deshalb mussten hier zwei mächtige Brücken errichtet werden, um die Autobahn 61 darüberzuführen. Die über 60 Jahre alten Bauwerke sind allerdings mittlerweile in die Jahre gekommen und werden nun ersetzt. Während die Autobahn bisher über je einzelne, vierspurige Brücke geführt wurde, entstehen in den beiden Tälern nun jeweils zwei Brücken mit insgesamt sechs Spuren. Je eine neue Brücke steht schon – über sie wird seit Ende 2024 der Verkehr geführt. Was nun folgt, ist ein technischer Kraftakt: Die beiden alten Brücken werden abgerissen und durch Neubauten ersetzt.
Alleine dieser Abriss ist eine Herausforderung. „Der Rückbau läuft im Grund in umgekehrter Reihenfolge wie der Brückenbau“, erklärt Sandro Vincenzi, Leiter der Außenstelle Wiesbaden der Autobahn GmbH West. Zunächst wird der Beton, der als Unterbau für die Fahrbahn diente, portionsweise herausgeschnitten und abtransportiert. Dann müssen die über drei Meter dicken, rund 50 Meter Langen und über 200 Tonnen schweren Längsträger entfernt werden. Dazu werden sie mithilfe eines speziell konstruierten Demontagegeräts aus ihren Lagern gehoben und über die alte Brücke auf die nördliche Talseite gezogen. Wird mithilfe von Brechern die Stahlarmierung vom Beton getrennt. Die wiedergewonnenen Rohstoffe werden dem Recycling zugeführt.
Zuvor aber müssen sie von Asbest befreit werden, der im Zuge von Reparaturarbeiten in den 80er Jahren verarbeitet wurde. Dies geschieht in einer riesigen, luftdichten Halle. Sind die Brückenpfeiler von ihrer Last befreit, werden sie von riesigen Baggern von oben nach unten abgeknabbert. Sprengen ginge zwar schneller, kommt aber aus Umwelt- und Artenschutzgründen nicht infrage. Unter anderem verlaufen durch die Täler Wanderungswege von Wildkatzen …Die Arbeiten an der Tiefenbachtalbrücke, dem südlichere Bauwerk, laufen bereits. Auf der Pfädchengrabenbrücke wird das Hebegerät gerade installiert und die Demontage vorbereitet. Der Abbruch der ersten Pfeiler aus dem Tal heraus beginnt Mitte des Jahres. Ende 2026 soll die alte Tiefenbachtalbrücke dann endgültig verschwunden sein und der Neubau kann beginnen. Die zweite Brücke folgt dann Mitte 2027.
Die beiden neuen Bauwerke sollen dann bis Ende 2029 stehen. Ursprünglich waren Gesamtkosten von rund 151 Millionen Euro kalkuliert. Dieser Kostenrahmen wird vermutlich aufgrund von Preissteigerungen nicht eingehalten werden.
„Mit der Erneuerung der Talbrücken stärken wir eine der wichtigsten Nord-Süd-Achsen im Westen und Südwesten Deutschlands dauerhaft. Der Ausbau ist ein Schlüsselprojekt für die Leistungsfähigkeit und Sicherheit der A61, heute und für die kommenden Jahrzehnte“, sagt Markus Gerhards, Niederlassungsdirektor der Niederlassung West. Der Verkehr beider Fahrtrichtungen wurde in den vergangenen Monaten auf die bereits fertiggestellten nördlichen Teilbauwerke der Talbrücken und die darauf verlaufende Richtungsfahrbahn Koblenz verlegt, sodass der Abbruch unter laufendem Verkehr erfolgen kann. „Der Rück- und Neubau beider Talbrücken ist technisch anspruchsvoll, aber entscheidend für einen zügigen Projektfortschritt. Unser Ziel ist es, die umfangreiche Gesamtmaßnahme bis Ende 2029 abzuschließen“, erklärt Sandro Vincenzi, Leiter der Außenstelle Wiesbaden.

