Trotz des laufenden Neubaus des Gutenberg-Museums seien wesentliche Fragen zur langfristigen Finanzierung und Trägerschaft des Projekts weiterhin ungelöst. Bei einem Pressegespräch kritisierte der Stiftungsvorsitzende Günter Jertz insbesondere die fehlende Unterstützung des Landes Rheinland-Pfalz.
Nach Angaben der Stiftung sei das Gutenberg-Museum im neuen Koalitionsvertrag der rheinland-pfälzischen Landesregierung aus CDU und SPD nicht erwähnt worden. Dies werte die Stiftung als besorgniserregendes Signal für eines der bedeutendsten Kulturprojekte der Landeshauptstadt.
„Dass das Gutenberg-Museum im neuen Koalitionsvertrag schlichtweg kein Thema ist, ist ein fatales Signal“, erklärte Jertz. „Wir bauen hier ein international bedeutendes Leuchtturmprojekt, aber das Land scheint sich klammheimlich aus der Verantwortung stehlen zu wollen.“ Ohne eine „verbindliche Partnerschaft und eine tragfähige, erweiterte Trägerschaft von Stadt, Land und möglichen weiteren Trägern“ stehe die Zukunft des Hauses auf „extrem tönernen Füßen“.
Zwar erscheine die Finanzierung des Neubaus, der nahezu 90 Millionen Euro kosten soll, durch verschiedene Zuschüsse derzeit gesichert. Nach Ansicht der Stiftung drohen jedoch erhebliche Probleme nach der geplanten Fertigstellung. Vor allem die Finanzierung der Innenausstattung, für die circa 15 Millionen Euro veranschlagt werden, sowie der spätere Museumsbetrieb mit circa 4 Millionen Euro jährlich seien bislang nicht abgesichert.
„Die bittere Wahrheit ist: Die Finanzierung der Innenausstattung und der Betrieb des Museums ab 2032 sind Stand heute nicht gesichert“, sagte Jertz. Sollte keine Lösung gefunden werden, bestehe die Gefahr, „im Jahr 2032 ein repräsentatives Gebäude zu eröffnen, dem es an Mitteln für eine zeitgemäße Museumsdidaktik und den täglichen Betrieb fehlt“.
Die Stiftung fordert deshalb ein entschlossenes Vorgehen der Mainzer Stadtspitze. Der für den Neubau zuständige Dezernent solle umgehend Gespräche mit der Landesregierung aufnehmen, um das Museum auf die politische Agenda zu setzen. Zugleich erinnerte Jertz Oberbürgermeister Nino Haase an dessen wiederholte Aussagen zur Bedeutung des Projekts.
„Der Oberbürgermeister hat unermüdlich betont, dass das Gutenberg-Museum das absolute Aushängeschild der Stadt Mainz sein muss“, sagte Jertz. „Wer A sagt, muss nun auch B sagen. Ein Aushängeschild darf man nicht im Regen stehen lassen.“
Die Stiftung fordert konkrete Verhandlungen über eine dauerhafte Trägerschaft und Finanzierung. Das neue Gutenberg-Museum dürfe als „Jahrhundertprojekt“ nicht an fehlendem politischen Willen oder ungeklärten Konzepten für die Zeit nach der Baufertigstellung scheitern.

