Andreas Kerner, Leiter des Wohnparks Sophie Scholl, hat in den letzten Wochen einen Meilenstein im Hitzeschutzkonzept erreicht, damit die heiße Luft aus der modernen Senioreneinrichtung vertrieben wird. Denn sowohl in den Wohnbereichen, als auch in der Tagespflege wurden durch den festen Einbau von Klimaanlagen Kälteinseln geschaffen. Kerner: „Die Anlagen laufen seit einigen Tagen und so können wir unseren Bewohnerinnen und Bewohnern überall einen klimatisierten Bereich anbieten, der sogar so groß ist, dass alle dort ein kühles Plätzchen finden.“ Seit dem vergangenen Jahr hatte er das Thema bei seiner Wirtschaftsplanung auf dem Budgetzettel. Jetzt konnten diese Kälteinseln realisiert werden. Bei angenehmen 23 Grad Celsius behalten dort alle einen kühlen Kopf und einen ruhigen Puls. Der Einrichtungsleiter hat sich umgeschaut und stellt fest: „Bisher gibt es keine gesetzliche Regelung in Altenpflegeeinrichtungen klimatisierte Bereiche vorzuhalten. Wir sind somit absolut innovativ und vorausschauend unterwegs.“
Die Sommer der letzten Jahre haben den Experten der Seniorenhilfe gezeigt, dass extreme Hitzeperioden keine Ausnahmen mehr sind, sondern eine tödliche Realität. In Deutschland sterben jährlich tausende Menschen an den Folgen von Hitzewellen und die Stadt Bad Kreuznach hat eine unrühmliche Spitzenposition als Hotspot des Landes Rheinland-Pfalz. Gerade ältere und pflegebedürftige Menschen können Hitze schlechter regulieren und haben dazu ein vermindertes Durstgefühl. Für die Seniorenhilfe ist klar, dass Hitzeschutz kein optionaler Komfort ist, sondern eine lebensnotwendige Maßnahme der Gesundheitsvorsorge zur Vermeidung weiterer Opfer. Doch die Finanzierung ist bislang durch die Kostenträger nicht abgedeckt.
Kooperationspartner für die Überarbeitung des Hitzeschutzkonzeptes des Wohnparks Sophie Scholl, aber auch anderer Einrichtungen der Seniorenhilfe der Stiftung kreuznacher diakonie in Rheinland-Pfalz, ist die DAK, mit der auf verschiedenen Ebenen das Thema angepackt wurde – inhaltlich, organisatorisch, medizinisch. Der Wohnpark Sophie Scholl ist hier am weitesten, wurde mit der Installation der Klimaanlagen der Hitzeschutz auch baulich angegangen: durch die Schaffung der Kälteinseln, deren Strom im Wohnpark von der Photovoltaikanlage auf dem Dach kommt. Die Bewohnerinnen und Bewohner wie Rosa Maria Maurer (78 Jahre alt) sind froh: „So lässt es sich aushalten. Danke, dass Sie das eingebaut haben.“
Der Wohnpark Sophie Scholl hatte gute Grundlagen: Die Einrichtung ist energetisch auf einem aktuellen Stand. So verfügt das Gebäude über 3-fach verglaste Fenster, eine hochwertige Außendämmung und eine Lüftungsanlage. Diese baulichen Gegebenheiten helfen die Temperaturen im Gebäude auf einem erträglichen Maß zu halten. Wichtig sind auch die Anpassungen des Alltags, die zum Teil auch im gesetzlich verpflichtenden Hitzeschutzkonzept verankert sind. Im Bad Kreuznacher Wohnpark für Senioren heißt das, dass die Menüpläne auf leicht verdauliche, wasserreiche Kost umgestellt sind, gezielte Lüftungsphasen und spezielle Fortbildungen für das Pflegepersonal zur Arbeitsroutine gehören. Kerner blickt auch auf die Mitarbeitenden, die gerade bei großer Hitze „hoch engagiert sich um die Seniorinnen und Senioren kümmern. Auch für unsere Mitarbeitenden tragen wir Verantwortung – deshalb hat jeder ein Kühlhandtuch bekommen“
Die Umsetzung des Hitzeschutzkonzepts hat erhebliche finanzielle Aufwendungen gekostet. Die Investitionskosten belaufen sich für die Tagespflege und die Wohnbereiche auf 30.000 Euro im Wohnpark Sophie Scholl. Bislang hatte die Politik die Träger der Einrichtungen mit diesen Kosten stets allein gelassen. Zwar wurde schon in der Vergangenheit der Hitzeschutz politisch gefordert, eine gesetzlich verankerte, flächendeckende Refinanzierung für Pflegeeinrichtungen fehlte jedoch stets in den Haushalts- und Gesetzgebungsrahmen.
Andreas Kerner stellt fest: „Es ist gut, dass Politik und Gesellschaft für das Thema jetzt sensibilisiert sind und erste Schritte gegangen werden, um sich an den Kosten zu beteiligen. Doch jeder Tag des Zögerns ist eine zunehmende gesundheitliche Belastung für die uns anvertrauten Menschen.“

