Große Herausforderungen sind zu bewältigen

MATTHIAS JUNG, Kabarettist

Ich bin mit meiner „Chill mal“-Tour unterwegs und hätte gerne viele Zuschauer und Eltern „bespaßt“. Das fällt leider alles aus.
Außerdem wäre mein Bremer Freund Arnd Zeigler ins KUZ nach Mainz gekommen. Aber irgendwann holen wir es nach und feiern eine Riesen-Party. Ich habe nun ganz viel Zeit mit den Kindern. Ich bastele, male und backe Kuchen. Und meine Mutter darf ihn nicht probieren. Sehr bedauerlich. Der ganze Alltag fällt aus. Man hat sehr viel Zeit und hat „nichts vor“. Eigentlich mal ein schönes Gefühl. Aber nicht unter den Umständen.


Bettina Dickes, Landrätin

Ganz besonders hatte ich mich auf den Abiball meiner jüngsten Tochter gefreut. Ich bin dankbar, dass die mündlichen Prüfungen stattfinden. Aber die feierliche Zeugnisübergabe und auch der Abiball fallen selbstverständlich aus, und das tut mir gerade für die Abiturienten - auch insgesamt im gesamten Land - sehr leid. Im Moment läuft mein Tag an sieben Tagen in der Woche von morgens früh um fünf bis Mitternacht, solange sitze ich in Krisenstäben, Telefonschalten oder am PC und versuche, auf alle Anfragen zu antworten. Gewonnene Zeit gibt es daher bisher keine. Ich bin dankbar, dass hier im Kreishaus nahezu alle an einem Strang ziehen und nicht jammern, sondern machen!


PETER SCHOLTEN, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Rhein-Nahe

Besonders habe ich mich im Frühling darauf gefreut, mehr Sport zu treiben, und die ausgiebige Bewegung im Freien. Stattdessen spielen meine Frau und ich nun gemeinsam viele Runden Kniffel. Mehr freie Zeit bleibt dennoch kaum bei all den Herausforderungen, die derzeit im Berufsleben zu bewältigen sind.


DR. HELMUT MARTIN, Landtagsabgeordneter

Im privaten Bereich hatte ich mich sehr auf die Feier aus Anlass des 60. Geburtstags meiner Schwester in Leipzig gefreut, zu der die „Großfamilie“ und viele Freunde zusammenkommen wollten. Die musste leider abgesagt werden. Von den politischen Terminen tut es mir besonders um die zum Teil schon vorbereiteten Ortsbegehun- gen im Rahmen meiner Vor-Ort-Tour leid, denn mit Frühlingsbeginn wollte ich dieses Format weiter nutzen, um die Besonderheiten der Dörfer im Wahlkreis noch besser kennenzulernen und mit den Menschen dort ins Gespräch zu kommen.
Einen „Zeitgewinn“ habe ich bisher nicht oder kaum zu spüren bekommen; zwar gibt es fast keine Termine mit persönlichem Kontakt mehr, dafür werden Besprechungen und Gremiensitzungen aber in geändertem Format, also per Video- und/oder Telefonkonferenz durchgeführt und der Abstimmungsbedarf ist aktuell eher gestiegen. Zudem hat die Krise erhebliche Auswirkungen auf unsere Wirtschaft, so dass ich als wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion in sehr intensivem Austausch mit vie- len Betroffenen stehe. Die politischen Folgerungen, die sich aus diesen Kontakten ergeben, sind sodann zu formulieren, abzustimmen und in die öffentliche Diskussion einzuspeisen. Das ist alles sehr aufwändig. Durch die „virtuellen“ Treffen entfallen Fahrzeiten in bedeutsamen Umfang; das spart Kräfte und schont die Umwelt, auch wenn Telefon- oder Videokonferenzen die persönliche Begegnung nicht vollständig ausgleichen können, so bietet die aktuelle Situation auch Chancen zum Beispiel im Bereich der Digitalisierung.


HORST WEYAND, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Rhein-Nahe-Hunsrück

Besonders gefreut habe ich mich nun auf den Frühling, verbunden mit dem Spaß in meiner Freizeit wieder über den Golfplatz zu laufen. Schade - aber richtig - dass die eine oder andere Geburtstagsfeier von Familie und Freunden ausfällt. Es bleibt eigentlich keine „gewonnene“ Zeit, da die Situation deutlich mehr Anforderungen in der Bank stellt. Viele Sitzungen und Meetings in der Vergangenheit, die nicht so wichtig waren, aber Zeit kosten, fallen jetzt weg.


MARKUS STEIN, Landtagsabgeordneter

Als Ehemann und Vater zweier Töchter sind die gemeinsamen Freizeitaktivitäten stark eingeschränkt. Meine gesamte Familie, mich inbegriffen, hätte sich bei dem anstehenden Frühling sehr auf Ausflüge, zum Beispiel in Zoos oder auf Spielplätze gefreut. Das ist in den jetzigen Zeiten aus guten Gründen nicht mehr möglich. Auch, wenn der normale Geschäftsbetrieb im rheinland-pfälzischen Landtag weitgehend ruht, stehe ich täglich mit den Kolleginnen und Kollegen, örtlichen Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung in Kontakt, um Probleme aufzunehmen und Lösungen zu liefern - oft auch spät abends noch. Telefonkonferenzen gehören zur Tagesordnung. Auch mein Bürgerbüro in Bad Sobernheim wird zwar derzeit per HomeOffice geführt, ist aber durchgehend erreichbar. Kurzum: Ich arbeite und habe nebenbei mehr Zeit für meine Familie. Ich muss weniger Auto fahren. Das schont nicht nur den Geldbeutel sondern auch das Klima und die Nerven. Mein Arbeitstag beginnt nach dem Aufstehen und meine Familie habe ich den ganzen Tag bei mir. Arbeit und Familienleben vermischen sich also und meine Kinder sind auch froh, den Papa in der nächsten Zeit mehr für sich zu haben.


MICHAEL HÜTTNER, Landtagsabgeordneter

Es ist wirklich eine besondere Zeit und die Einschränkungen sind schon enorm. Aber es ist sehr wichtig, dass diese Einschränkungen auch eingehalten werden, denn nur dadurch kann die Ausbreitung des Virus' eingedämmt werden. Ich appelliere dringend daran! Der Arbeitstag hat sich verändert. Ich mache quasi ausschließlich Dienst von zu Hause. Dank der Technik ist dies auch möglich. Mein Büro hat die Zeiten reduziert und Publikumskontakt wird vermieden. Dies machen wir telefonisch oder per Videokonferenz. Eine Telefonschalte schließt an die nächste - also quasi eine Besprechung nach der anderen - nur anders. Also keine wirklich gewonnene Zeit, zumal es gilt, vielmehr zu lesen und informiert zu sein. Täglich gibt es neue Entscheidungen, Anweisungen und Hinweise. Routine gibt es in meinem Job sowieso nicht. Jeder Tag ist anders