Pandemie und kein Ende?

MATTHIAS JUNG, Kabarettist

1. Es war für mich sehr überraschend, dass die Politik uns Solo-Selbstständige so respektlos behandelt hat. Statt eines faires "Kurzarbeitergelds" wurden wir direkt in Hartz 4 geschickt.
Es sind noch immer Zustände wie im Mittelalter. Man ist der Hoffnarr, über den die Obrigkeit herzhaft lacht, aber wenn er nervt, wird er in die Wüste geschickt. Es ist unfassbar, was ich da in diesem Jahr erlebt habe.
Umso beeindruckender waren da manche Politiker wie zum Beispiel Markus Lüttger oder auch Veranstalter, die ein feines Gespür für unsere Situation haben und uns sehr geholfen haben. Vielen Dank nochmals dafür.
 
2. Ich freue mich über Alles, wofür Lebensqualität steht: Feste, Konzerte, Besuche im Restaurant, meine eigenen Veranstaltungen und ein Friseur wäre sicherlich auch nicht schlecht.


BETTINA DICKES, Landrätin des Kreises Bad Kreuznach

1. Am meisten haben mich in den letzten Monaten diejenigen beeindruckt, die in dieser schwierigen Situation angepackt haben, obwohl sie genau wie alle anderen auch unter der aktuellen Situation leiden und genauso viele Ängste haben. Am deutlichsten wurde das für mich nach der großen Infektionswelle im Bodelschwinghzentrum in Meisenheim. Nachdem sonntags bekannt wurde, dass mehr als 50 Personen infiziert sind, habe ich in der folgenden Nacht aus Sorge kaum geschlafen. Immer wieder habe ich mir die Frage gestellt, wer seitens der Mitarbeiterschaft sich denn am nächsten Tag um die Menschen mit geistiger Beeinträchtigung, die ja auch keinen Abstand einhalten, kümmern würde. Stellen Sie sich vor, Sie sollen in einem Haus mit engem Kontakt arbeiten in dem Wissen, alle sind infiziert. ..
Aber meine schlaflose Nacht war unnötig – am nächsten Tag kamen alle zur Arbeit. In diesem Moment war ich so voll Hochachtung, dass ich sie gar nicht in Worte fassen kann.
Demgegenüber stehen dann Hasskommentare von Coronaleugnern in den sozialen Netzwerken, die jeden Anstand verlieren. Gerade letzte Woche hat mir ein Mann angedroht, mir bei unserem nächsten Zusammentreffen ins Gesicht spucken zu wollen – weil er mit coronabedingten Einschränkungen unzufrieden ist. Das ist doch ein Schlag ins Gesicht derer, die hier Tag und Nacht für die Schwächsten der Gesellschaft da sind und versuchen, diese zu schützen.

2. Ich freue mich am meisten wieder auf persönliche Kontakte. Das ist mir im privaten wie im beruflichen immer das Wichtigste. Ein ganz elementarer Bereich als Landrätin war zum Beispiel immer, am Wochenende unterwegs in den Dörfern und Städten zu sein, zuzuhören, was gerade wichtig ist, und mich über das große Engagement in der Region zu freuen. Es war immer herrlich, dabei eben auch diese Engagierten zu treffen und den ein oder anderen einfach mal herzlich zu drücken. Dieses unbekümmerte Miteinander fehlt mir gerade sehr, und darauf freue ich mich wirklich. Aber auch privat sehne ich den Moment herbei, mit meiner großen Familie wieder unbeschwert etwas unternehmen zu können. Im Adventskalender hatten alle viele Gutscheine – fürs Kino, zum Essengehen, für Ausflüge. Diese einzulösen, wird mir das größte Vergnügen sein!
Und ein letzter Aspekt: Ich freue mich darauf, wenn wieder allgemeine Entspannung eintritt und die Aggressivität, die gerade insbesondere in den sozialen Netzwerken sehr präsent ist, wieder nachlässt.


JULIA KLÖCKNER, Bundsministerin für Ernährung und Landwirtschaft

1. Was vor Corona häufig nicht möglich schien, wurde in der Pandemie einfach gemacht. Die Digitalisierung etwa hat in vielen Bereichen einen enormen Schub bekommen – vieles davon wird bleiben. Und es zeigt sich, dass Nähe auch in Zeiten der Distanz hochgehalten werden kann: Videotreffen, Päckchen vor die Tür stellen. Corona macht vor allem aber auch demütig. Die sonst selbstverständliche Freiheit weiß man gerade bei deren Abwesenheit zu schätzen.
 
3. Unbeschwert wieder mit Freunden zusammenkommen, Reisen, ein Restaurantbesuch, Kino - es sind die eigentlich alltäglichen Dinge, auf die auch ich mich wieder freue. Und beruflich: Wieder mehr im Land unterwegs sein, Menschen treffen, mit ihnen ins direkte Gespräch kommen, ganz analog.


PETER SCHOLTEN, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Rhein-Nahe

1. Wie schnell und flexibel sich unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der neuen Herausforderungen gestellt und den Geschäftsbetrieb aufrechterhalten haben. Das gilt sowohl für die Schaffung der technischen Infrastruktur als auch für die stets nahe und kompetente Betreuung unserer Kunden aus dem Homeoffice. Natürlich bin ich auch den Kunden sehr dankbar, dass sie die neuen Möglichkeiten und Angebote der Beratung so gut angenommen haben.

2. Privat freue ich mich darauf, dass man wieder Reisen und in Urlaub fahren kann. Und beruflich, dass wir uns dann im persönlichen Gespräch hoffentlich wieder etwas ungezwungener, sorgenfreier und im Idealfall auch wieder ohne Maske in der Sparkasse begegnen können.


DR. HEIKE KASTER-MEURER, Oberbürgermeisterin der Stadt Bad Kreuznach

1. Die Hilfsbereitschaft vieler Menschen für diejenigen, die in dieser schwierigen Situation Hilfe benötigen oder einsam sind, und die Schnelligkeit, mit der die Digitalisierung – auch in der Verwaltung – fortgeschritten ist im Positiven.
Im Negativen: Die Leere, die das Fehlen kultureller Angebot erzeugt. Die starke Nachfrage der Corona-konformen Angeboten zeigt uns nochmals deutlich, wie wichtig diese Angebote sind.

2. Begegnungen – auch zufällige – mit (mehr) Menschen. All die Veranstaltungen, die in den vergangenen Monaten ausfallen mussten – und auf den Jahrmarkt. Im politischen Bereich wieder Normalität in Präsenzsitzungen.


HORST WEYAND, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Rhein-Nahe-Hunsrück

1. Ich bin sehr froh darüber und positiv gestimmt, dass wir es bisher in Deutschland trotz einiger "Querdenkern" mit einer gewissen Disziplin geschafft haben, die Auswirkungen, sowohl menschlich wie auch wirtschaftlich, in Grenzen zu halten. Es gilt auch weiterhin Vernunft anzuwenden, in allem was wir tun. Das Wohl der Gemeinschaft seht vor dem Wohl des Einzelnen.  

2. Für mich ist die Möglichkeit Menschen zu treffen und mit Menschen zu reden, sowohl beruflich wie auch privat, immer eine Bereicherung gewesen. Es wäre schön wenn wir bald wieder die Freiheit hätten, gemeinsame Erlebnisse zu haben.


DR. RAINER LAUF, Kinderarzt und Vorsitzender des Regionalbündnisses Soonwald-Nahe

1. Positiv war für mich die eigene Entschleunigung und mehr freie Zeit in unserer schönen Heimatregion genießen zu können – da waren wir auf dem Land sehr privilegiert.
Auch hat mich die fast durchgängige Ernsthaftigkeit und Disziplin des Großteils der Bevölkerung angenehm überrascht und gefreut. Negativ zum Vorschein kamen aber auch echt schräge Charaktereigenschaften von einigen Mitmenschen, von denen ich nicht erwartet hatte, dass sie die Realität ausblenden.

2. Am meisten fehlen natürlich die sozialen Kontakte auch mal wieder mit mehreren Freunden in geselliger Runde und kulturelle Ablenkungen wie Gesang und Konzerte – darauf freue ich mich sehr! Auch in meiner Kinderarztpraxis werden wir wieder aufatmen, wenn wir entspannter arbeiten dürfen und nicht immer das Corona-Gespenst im Hintergrund lauert – Kinder brauchen auch hier wieder mehr Nähe und kleine Knuddeleien.


KLAUS MEESE, Vorsitzender der Jazz-Initiative Bad Kreuznach

1. Zum einem finde ich das solidarische Verhalten, die Geduld und Disziplin des Großteils unserer Bevölkerung, um gefährdete Menschen zu schützen und mit dieser Seuche fertig zu werden, sehr bemerkenswert.
Zum anderen, mit welcher Deutlichkeit längst bekannte Schwachstellen in unserer Gesellschaft durch die Pandemie aufgedeckt wurden. Unterbezahlte Pflegekräfte,  fehlendes Personal in den Krankenhäusern, unzureichende Schutzvorrichtungen in Altersheimen, vollgestopfte Schulbusse, die Verarmung der freien Kunstszene, Präsensunterricht in schlecht belüfteten Klassenzimmern, menschenunwürdige Arbeits- und Wohnsituationen in Schlachtbetrieben, mangelhafte WLAN-Ausstrahlung und Digitalkompetenz und Vieles mehr.
Im Krisenmodus werden wir nun gezwungen, über die Überwindung diese Mängel nachzudenken und unsere Lebensweise nachhaltig zu verändern.

2. Ich Freue mich besonders auf analoge Kulturveranstaltungen und natürlich auch auf das erste – hoffentlich bald in 2021 – wieder stattfindende Life-Jazzkonzert der Jazz-Initiative, um auch der stark gebeutelten Kreativwirtschaft wieder Auftritts- und Arbeitsmöglichkeiten bieten zu können.


EVELINE BREYER, Bürgermeisterin der Stadt Ingelheim

1. Mich haben zwei Dinge nachhaltig beeindruckt: Positiv, dass es trotz der großen Herausforderungen und einschneidenden Veränderungen einen großen gesellschaftlichen Zusammenhalt gibt, mit dem Wille die Pandemie gemeinsam zu schaffen und sich gegenseitig zu unterstützen. Nachhaltig gewirkt hat bei mir die Erkenntnis, wie wichtig soziale Kontakte für uns als Menschen für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden sind.

2. Wieder unbefangen und ohne schlechtes Gewissen unter Menschen zu gehen und Freunde in den Armen nehmen zu können.


LAURA TULLIUS, Naheweinkönigin

1. Wie sehr man es schätzen sollte, was für Privilegien und Freiheiten man hat/hatte. Momentan sind wir zwar sehr eingeschränkt aufgrund der Pandemie, aber im Großen und Ganzen genießen wir eine große Freiheit.
Man konnte fast überall hin gehen, reisen und machen was man wollte und das sollten wir zu schätzen wissen, jetzt mehr als zuvor.
Wir sollten uns nicht gegenseitig beschuldigen, sondern zusammenhalten und gegen Corona kämpfen.

2. Ich freue mich am meisten, wieder unter Menschen zukommen und mich auszutauschen. Wieder Termine als Naheweinkönigin wahrzunehmen und den Nahewein repräsentieren zu können.
Man lernt die verschiedensten Menschen während des Amtes kennen und das möchte man natürlich nicht missen.
Auch freue ich mich wieder in die Uni gehen zu dürfen. Momentan läuft alles über Online-Seminare, aber der Austausch mit den Kommilitonen fehlt sehr. – Einfach über seine Erfahrungen zu reden und sich gegenseitig zu helfen und zu unterstützen.


DIRK OSTERHOFF, Geschäftsführer der „rheinwelle“

1. Im positiven Sinn hat mich in der Pandemie der solidarische Zusammenhalt sowohl im Kleinen wie auch im Großen beeindruckt. Im negativen Sinn ist das Wort "beeindruckt" das falsche Wort, hier bin ich über die Ignoranz mancher Menschen in Bezug auf die Pandemie nur noch fassungslos.

2. Im Beruflichen freue ich mich unsere Gäste und alle Kolleginnen und Kollegen der „rheinwelle“ wieder gesund begrüßen zu dürfen und im Privaten meine Lieben wieder in den Arm nehmen zu dürfen.


THOMAS FESER, Oberbürgermeister der Stadt Bingen

1. Es beeindruckt mich, welche neuen Ideen in den vergangenen Monaten aufgekommen sind, um diese ungewöhnlichen Zeiten zu bewältigen. Abhol- und Lieferdienste funktionieren und auch die Hilfe untereinander – beispielsweise Einkaufen für betagte Nachbarn – das zeigt mir, dass wir doch einen guten Zusammenhalt in der Gesellschaft haben."

2. Ich freue mich wieder darauf, persönliche Kontakte mit den Bürgerinnen und Bürgern, das „Binger Leben“ mit seinen Festen und Veranstaltungen wieder unbeschwert wahrnehmen zu können. Im direkten Umgang miteinander lässt sich doch vieles schneller und einfacher regeln.


ANNALENA BAUM, „Prinzess Schwätzerchen“, Bingen

1) Mich hat am meisten beeindruckt, wie schnell sich doch alles verändern kann. Gestern waren wir alle noch draußen, haben Freunde getroffen oder sind in die Stadt gegangen ein bisschen einkaufen. Und heute sitzen wir alle zu Hause und müssen einfach zusammenhalten und uns zusammenreißen nicht rauszugehen und uns nicht zu verabreden, damit wir bald wieder ein normales Leben führen können. Ohne Abstand und ohne Masken. Niemand hätte Anfang 2020 gedacht, was dieser Virus für Folgen mit sich bringt.
Positiv hat mich allerdings beeindruckt, wie sehr man auf sich selbst achten kann und nicht von äußeren Faktoren beeinflusst wird. Im ersten Lockdown habe ich mich wirklich auf die wesentlichen und wichtigen Dinge im Leben konzentriert. Vor allem auf die Gesundheit!

2) Sobald ein bisschen Normalität in unser Leben kehrt, freue ich mich sehr darauf in meinem Amt, als Prinzess Schwätzerchen, ganz viele Termine wahrnehmen zu können und Bingen und die Binger Weine zu vertreten. Privat bin ich einfach sehr dankbar, wenn ich meine liebsten Menschen und Freunde einfach mal wieder in den Arm nehmen kann und das ein oder andere Glas Wein, auf einem Fest, mit ihnen trinken zu können.


EVA EBBEKE, Stiftung Kleinkunstbühne „Die Loge“, Bad Kreuznach

1. Erschüttert hat mich die Ignoranz und Borniertheit nicht weniger Mitbürger in Bezug auf Corona. Insbesondere die Leugnung der Pandemie und diese hirnlosen Verschwörungstheorien. Ich hätte so etwas in meinem Land nicht für möglich gehalten. Verwundert war ich darüber, dass viele, die ich kenne, die Kontaktbeschränkungen nicht sonderlich ernst nahmen.
Fassungslos hat mich die Tatenlosigkeit der Verantwortlichen in puncto Schulen gemacht.
Auf der anderen Seite war ich dagegen angenehm überrascht über die Anteilnahme bzw. Kontakte, sei es per Telefon, Mail oder Post, die sich durch die Pandemie ergeben haben.
Nachdenklich hat mich gemacht, wie fragil doch unser Dasein ist und die Sicherheit in der wir uns wähnen.

2. Ich freue mich sehr, wenn wieder Kleinkunst-Veranstaltungen in der Loge stattfinden können, die ich ja als Leiterin zu verantworten habe.
Außerdem auf kulturelle Veranstaltungen landesweit, insbesondere Konzerte und Theater.
Sehr vermisst habe ich meine geliebten Kurz-Reisen innerhalb Deutschlands, die würde ich sofort wieder aufnehmen.
Und natürlich freue ich mich ganz besonders darauf, meine ganze Familie und meine Freunde wieder sehen zu können.